»Bakemonogatari«

Geistergeschichten auf Asiatisch – ein wenig Grusel und dazu noch eine extra leichte Romanze. Die herausragenden Eigenschaften von Bakemonogatari sind dabei die Charaktere, ihre Dialoge und die gewaltigen Bilder, in denen sie sich bewegen.

Erzählstil

Die gesamte Geschichte wird aus der Sicht des Hauptcharakters Araragi Koyomi in der Vergangenheit kommentiert, überwiegend durch seine gesprochenen Gedanken, die seinen Eindruck von dem Moment in der Geschichte beschreiben. Der andere Teil wird dagegen durch schnell aufeinander folgenden Texttafeln aus seiner Sicht kommentiert. So wird die Vorgeschichte zur Serie, wie auch zu den einzelnen Geschichten, direkt am Anfang sehr schnell zusammengefasst, sowie seine unausgesprochenen Worte und Gedanken, während er mit anderen Dingen beschäftigt ist.

Charaktere

Ähnlich komplex sind die zahlreichen Dialoge, die Araragi Koyomi mit seinen Gegenübern führt. Zunächst wirken da Oshino Meme und Hanekawa Tsubasa sehr oberflächlich, dessen Eindruck bei Oshino sehr schnell umschlägt, während Hanekawa dagegen nur schleichend und andeutungsweise über die gesamte Handlung aufgebaut wird. Ein anderes Bild liefern Kambaru Suruga, Hachikuji Mayoi und Sengoku Nadeko, die mit ihren übernatürlichen Problemen in die Geschichte integriert werden und nachfolgend ihre Beziehung zu Araragi Koyomi erhalten. Herausstechend wird sein Verhältnis zu Senjougahara Hitagi, die jedes seiner und ihrer Worte sachlich korrekt auf der Goldwaage parat liegen hat – ein ruhiges Wasser, das sehr, sehr tief ist.

Bild- und Tongewalt

Bei diesem Anime steht der Spaß unüberseh- und -hörbar im Vordergrund. Das, was man von einer Geistergeschichte auf Anhieb erwarten würde, ist sie es jedenfalls nicht – außer grausam/blutig und das ist er an entscheidenden Stellen nicht zu knapp, und dass auch zurecht nicht in der Fernsehversion.

Die Schrifttafeln, die kein Mensch in der präsentierten Geschwindigkeit lesen kann werden in deren wahrem Tempo durch den Einsatz von der Percussion nochmals beschleunigt und sehr eindringlichen dramatisiert: Praktisch ist jeder Schlag der großen Trommel = ein neuer Text = ein Schlag auf die Pause-Taste – um es spielerisch zu beschreiben.
Es ist praktisch unumgänglich sich eine Episode mindestens zweimal anzusehen, um nur diese Informationen bewusst und zeitnah verarbeiten zu können.

Die Grundstimmung zu beschreiben, die Bakemonogatari einnimmt, kann man nur als „fröhlich“ bezeichnen. Das fällt alleine schon bei den verschiedenen, charakterbezogenen Openings auf, wie aber auch bei dem Ending, dessen Lyrik in der zwölften Episode – der Letzten der Fernsehausstrahlung – die Handlung auf beeindruckende Weise dort abrundet.
Auch die Bildfarben und der Soundtrack ergänzen sich gegenseitig, und wenn die Charaktere ihr Spiel darin spielen, bleibt diese Stimmung durchwegs erhalten.

12 Episoden

Ich kann sagen, dass mir der Anime in seiner Fernsehausstrahlung eine sehr große Freude bereitet hat, und im Hinblick auf die angekündigten drei abschließenden Episoden sich seine Bewertung eigentlich gar nicht mehr verschlechtern kann. Für mich könnten einer oder können alle lieb gewonnenen Charaktere ohne besonderen Grund tot umfallen oder vollends Ecchi werden – die ausgestrahlten zwölf Episoden sind es, die mich derart begeistert und meine Bewertung weit über die zur Verfügung stehende Skala bewegt haben.

HDTV vs. BD

Was aber kaum auffällt, ist eine Steigerung im Detailgrad, und zwar im Unterschied zwischen den ausgestrahlten Episoden und der kaufbaren Version. Praktisch jedes Bild wurde für die Blu-Ray neu gezeichnet, neu kompositioniert, und dem verstärkt abstrakten Stil angeglichen. Was im Fernsehen in HD schon Traumhaft aussah, kann sich jetzt mit einer „Steigerungsform-von-Traumhaft“ beschreiben lassen.

Finale

Meine Pause-Taste ist dem leicht geänderten Erzählstil wahrscheinlich noch dankbarer als ich, da mein Kanji-Wortschatz schon viel früher in der Serie sehr zu wünschen übrig ließ.

Mit den letzten drei nachgereichten Episoden findet diese Serie ein Ende wie man es sich wünschen kann. Hanekawa Tsubasa wird durch ihr Alter-Ego, der weißen „Katze“, nicht nur penetrant aufreizend in die zentrale Szenerie gesetzt, sondern wirkt auf die fatalste Weise schicksalhaft, ominös und extremst bedrohlich auf Araragi Koyomi und dazu auf seine Beziehung zu Senjougahara Hitagi – es ist schön der Geschichte bis zu ihrem Ende zu folgen und dann einige divergente/schmerzliche Sympathien zu den Hauptcharakteren entwickeln zu können, was nach wie vor auf die tolle und vielleicht auch ein bisschen geniale Erzählstruktur zurückzuführen ist.

Bakemonogatari ist nun für sich eine abgeschlossene Geschichte. Die von Anfang an offenen Fragen um den Hauptcharakter Araragi Koyomi, als auch Oshino Meme und Shinobu – diese bleiben nach wie vor dem Light Novel Kizumonogatari – der Fortsetzung zu Bakemonogatari – vorbehalten und werden nicht erzählt.

Aus meiner Sicht wird bis zum Schluss sehr viel Wert auf die Qualität der Serie gelegt – es passt einfach alles viel zu gut zusammen, und selbst dass wurde mit der Veröffentlichung auf BD noch verbessert. Es ist mir eine kleine Vorfreude wert, eine Hoffnung und auch ein Wunsch, dass auch die Fortsetzungen ihren Weg in eine ähnlich unterhaltsame Animeumsetzung finden werden.

Der Original-Kommentar wurde auf anisearch.de  am 20. Juli 2010 veröffentlicht und ist unter http://de.anisearch.com/anime/5027,bakemonogatari/comments/?r=483945#c483945 zu finden.

Advertisements

Hinterlasse eine Nachricht | Leave a Message

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s